Die Reise des Atmens

Einmal 360 Grad bitte

links ein Baby mit Bauchatmung, rechts eine gestresste Frau im Büro mit Brustatmung

Die vielen Arten der Atmung

Brustkorb, Bauch, Flanken, Schultern, Beckenboden – wenn du dich fragst, wie man „richtig“ atmet, bist du nicht allein. Es gibt viele Atemtechniken. Im Gesangsunterricht bei stimmbewusst geht es nicht darum, die eine „weise“ Antwort zu finden, sondern dir die Atemtechnik zu zeigen, die für uns am effektivsten ist.


links ein Baby mit Bauchatmung, rechts eine gestresste Frau im Büro mit Brustatmung

Von der Babyatmung zur Hochatmung

Wir kommen auf die Welt und atmen instinktiv tief und ökonomisch. Genau deshalb können Babys so lange und ausdauernd schreien. Im Laufe des Lebens, besonders durch ständiges Sitzen in der Schule oder im Büro, verlagert sich unsere Atmung unbemerkt nach oben. Diese Hochatmung ist flach, ineffizient und verstärkt unseren Alltagsstress.

Singen kann dir helfen, diesen Weg zurück zur natürlichen, tiefen Atmung zu finden und deine Luftsäule zu stärken.

links: gestresste frau und ein freund, rechts frau in entspannter, müder haltung und freund

Ausatmen ist nicht gleich Ausatmen

Wenn ein Freund dich zum Entspannen auffordert, holst du intuitiv Luft und lässt sie dann entspannt wieder los. Dein Körper spannt sich beim Einatmen an und entspannt sich beim Ausatmen.

Beim Singen wäre das unproduktiv. Singen ist ausströmende Luft, die dosiert werden muss. Eine passive Ausatmung würde dazu führen, dass die Luft unkontrolliert verpufft.

Die Atemtechnik für Sänger ist daher genau umgekehrt: Einatmen ist Loslösung, Ausatmen ist Spannung. Du entspannst beim Luftholen und aktivierst beim Singen deine Bauchmuskulatur.

Eine Gesangsschülerin mit einem Schal um ihre Taille gebunden

Hast du einen Schal mit?

Sängerinnen und Sänger tragen oft einen Schal, um ihre Stimme vor Wind und Kälte zu schützen. Aber wir nutzen einen Schal auch als praktisches Hilfsmittel, um deine Atmung zu verbessern.

Nimm einen Schal oder ein Tuch und wickle es um deine Taille. Schiebe deine Hand so dazwischen, dass du eine leichte Enge spürst. Ziehe die Hand heraus und atme in den Schal. Spüre, wie sich dein Bauch, deine Flanken und dein Rücken beim Einatmen weiten. Achte darauf, dass sich vor allem dort etwas bewegt, wo der Schal liegt, während Schultern und Oberkörper ruhig bleiben. Wenn du das Tuch zu wenig spürst, mache den Schal etwas enger oder beobachte deine Bewegung im Spiegel.

Wenn du nun ausatmest, spürst du eine natürliche Einwärtsbewegung. Beim Singen wollen wir das aber verhindern. Ziel der Übung ist es, den Schal während der gesamten Ausatmung zu spüren. Durch die Aktivität deiner Bauchmuskeln verlangsamst du den Luftfluss und vermeidest, dass die Luft durch die Stimmlippen gepresst wird. Das sorgt für einen ökonomischen Luftstrom, eine gleichmäßige Schwingung und entlastet deinen Hals.